{"id":45,"date":"2015-02-01T14:16:47","date_gmt":"2015-02-01T14:16:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialgeschichte-medizin.org\/wp_verein\/?page_id=45"},"modified":"2015-02-22T16:35:51","modified_gmt":"2015-02-22T16:35:51","slug":"2012-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sozialgeschichte-medizin.org\/wp_verein\/?page_id=45","title":{"rendered":"2012"},"content":{"rendered":"<p><a name=top href=#anfang><\/a><br \/>\n<a name=anfang href=#cfp>Cfp<\/a><br \/>\n<a name=anfang href=#programm>Programm<\/a><br \/>\n<a name=anfang href=#tagungsbericht>Tagungsbericht<\/a><\/p>\n<a name=cfp href=#anfang><\/a>\n<h3>CfP<\/h3>\n<div class=\"hfn-item-fulltext\">\n<h5>Vom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel<\/h5>\n<p>Jahrestagung 2012 des Vereins f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin \u2013 Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit<\/p>\n<p><strong>Veranstalter: <\/strong>Verein f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin<\/p>\n<p><strong>Datum\/Ort:\u00a0<\/strong>26.-28. April 2012 im Congresszentrum Zehnerhaus\/Bad Radkersburg<\/p>\n<p><strong>Deadline: <\/strong>30 September 2011<\/p>\n<p>Im Fokus der n\u00e4chstj\u00e4hrigen Tagung des \u00f6sterreichischen Vereins f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin steht der Themenbereich Heilbad \u2013 Kur \u2013 Wellness in (kultur-)historischer Perspektive. B\u00e4der und Badekuren spielen bereits seit der Antike im europ\u00e4ischen Raum eine wesentliche Rolle im menschlichen Bestreben nach Erhaltung und Wiedererlangung von Gesundheit. Der moderne, vor kurzem in Form eines Buchtitels propagierte Slogan \u201eGenussvoll baden und gesund entspannen\u201c ist daher dem Inhalt nach nicht unbedingt eine Erfindung des sp\u00e4ten 20. Jahrhunderts. Hydrotherapeutische Prozeduren (G\u00fcsse, Duschen, Packungen) erlebten eine Renaissance bei akuten Leiden im 17. Jahrhundert und werden bis in die Gegenwart verfeinert. Im sp\u00e4ten 18. Jahrhundert wuchs die Fach- und Werbeliteratur \u00fcber Heilb\u00e4der an, und es lie\u00dfen sich die ersten \u00c4rzte gezielt in Badeorten nieder. Die Balneologie eroberte Mitte des 19. Jahrhunderts als Lehrfach sogar die Universit\u00e4ten. Das Interesse an Kuren hat seither noch zugenommen, die Motive daf\u00fcr haben sich vervielf\u00e4ltigt. Wurden im 19. Jahrhundert ber\u00fchmte Kurorte bereits zur Sommerfrische besucht, so herrscht heute ein beinahe ungebrochener Wellnesstourismus aller Verm\u00f6gens- und Altersklassen vor.<\/p>\n<p>Die Jahrestagung 2012 des \u00f6sterreichischen Vereins f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin findet in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Bad Radkersburg \/ Museum im alten Zeughaus und dem Stadtarchiv Bad Radkersburg, dem Institut f\u00fcr Geschichtswissenschaften und Europ\u00e4ische Ethnologie der Universit\u00e4t Innsbruck, dem Centrum f\u00fcr Sozialforschung der Universit\u00e4t Graz, dem Fachbereich Geschichte der Universit\u00e4t Salzburg und dem Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie und Empirische Sozialforschung der Katholischen Universit\u00e4t Eichst\u00e4tt statt. Sie m\u00f6chte es den \u2013 in \u00d6sterreich sowie international \u2013 zu diesen Themen Forschenden erm\u00f6glichen, ihre Ergebnisse und Projekte zu pr\u00e4sentieren und zu diskutieren. Aus diesem Grund m\u00f6chten wir Interessierte aus allen Wissenschaftsbereichen, die historisch zum Thema Heilbad \u2013 Kur \u2013 Wellness arbeiten, zur Einsendung von Beitragsvorschl\u00e4gen sowie zur Teilnahme an der Tagung &#8222;Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit: Vom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel\u201c einladen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sind auch KollegInnen, die keinen eigenen Vortrag halten m\u00f6chten, zur Teilnahme herzlich eingeladen. Die Tagungsgeb\u00fchr betr\u00e4gt 50 Euro und deckt anfallende Kosten f\u00fcr ein Buffet am Er\u00f6ffnungsabend, f\u00fcr F\u00fchrungsgeb\u00fchren sowie die Kaffeepausen ab. Wir m\u00fcssen leider darauf hinweisen, dass f\u00fcr die \u00dcbernahme von Anreise- bzw. Aufenthaltskosten noch keine definitiven Zusagen gemacht werden k\u00f6nnen. Die Tagungsleitung (Elisabeth Dietrich-Daum, Beatrix Vre\u010da, Carlos Watzka, Alfred Stefan Wei\u00df) ist aber bem\u00fcht, zumindest f\u00fcr NachwuchswissenschafterInnen einen teilweisen Kostenersatz zu erm\u00f6glichen. Die Aussendung des (vorl\u00e4ufigen) Tagungsprogramms erfolgt gegen Jahresende 2011.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind wir an vielf\u00e4ltigen thematischen Aspekten und methodischen Herangehensweisen an das Thema interessiert. Insbesondere laden wir auch NachwuchswissenschafterInnen aus dem In- und Ausland zur Teilnahme ein. Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Bitte senden Sie Beitragsvorschl\u00e4ge in Form eines Abstracts im Umfang von einer Textseite bis 30. 09. 2011 per email an:<\/p>\n<p>Dr. Alfred Stefan Wei\u00df<br \/>\nFachbereich Geschichte, Universit\u00e4t Salzburg<br \/>\nRudolfskai 42, A-5020 Salzburg\/\u00d6sterreich<br \/>\nAlfred.Weiss@sbg.ac.at<\/p>\n<\/div>\n<a name=anfang href=#top>zum Anfang<\/a>\n<a name=programm href=#anfang><\/a>\n<h3>Programm<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sozialgeschichte-medizin.org\/wp_verein\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/2012FlyerJahrestagung.pdf\">2012FlyerJahrestagung<\/a><br \/>\n<a name=anfang href=#top>zum Anfang<\/a><\/p>\n<a name=tagungsbericht href=#anfang><\/a>\n<h3>Tagungsbericht<\/h3>\n<p>von <strong>Elisabeth Lobenwein<\/strong> (Universit\u00e4t Innsbruck)<\/p>\n<p>Der Themenbereich Heilbad \u2013 Kur \u2013 Wellness in (kultur-)historischer Perspektive stand bei der im April 2012 stattgefundenen Jahrestagung des Vereins f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin im Fokus. B\u00e4der und Badekuren spielen bereits seit der Antike im europ\u00e4ischen Raum eine wesentliche Rolle im menschlichen Bestreben nach Erhaltung und Wiedererlangung von Gesundheit. Der moderne, vor kurzem in Form eines Buchtitels propagierte Slogan \u201eGenussvoll baden und gesund entspannen\u201c ist daher dem Inhalt nach nicht unbedingt eine Erfindung des sp\u00e4ten 20. Jahrhunderts. Hydrotherapeutische Prozeduren (G\u00fcsse, Duschen, Packungen) erlebten eine Renaissance bei akuten Leiden im 17. Jahrhundert und werden bis in die Gegenwart verfeinert. Im sp\u00e4ten 18. Jahrhundert wuchs die Fach- und Werbeliteratur \u00fcber Heilb\u00e4der an, und es lie\u00dfen sich die ersten \u00c4rzte gezielt in Badeorten nieder. Die Balneologie eroberte Mitte des 19. Jahrhunderts als Lehrfach sogar die Universit\u00e4ten. Das Interesse an Kuren hat seither noch zugenommen, die Motive daf\u00fcr haben sich vervielf\u00e4ltigt. Wurden im 19. Jahrhundert ber\u00fchmte Kurorte bereits zur Sommerfrische besucht, so herrscht heute ein beinahe ungebrochener Wellnesstourismus aller Verm\u00f6gens- und Altersklassen vor.<\/p>\n<p>Bei der Experten\/innentagung im \u00fcberregional bekannten Thermenresort Bad Radkersburg trafen sich 30 Forscher\/innen aus sechs europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, um in f\u00fcnf verschiedenen Sektionen ihre Forschungen zu pr\u00e4sentieren und zur Diskussion zu stellen.<\/p>\n<p>PETER GERHARD WATZKA (Wien) er\u00f6ffnete die Tagung mit einem Vortrag zur Entwicklung des Bades von der Antike bis zur Gegenwart. Mittels einer gro\u00dfen Anzahl an bildlichen Darstellungen aus unterschiedlichen Epochen n\u00e4herte sich der Referent dem Thema Badekultur von kunstgeschichtlicher Seite. CHRISTINA VANJA (Kassel) widmete sich in ihrem Beitrag einem bis heute wenig bekannten Aspekt der historischen Heilb\u00e4der, n\u00e4mlich den Armenb\u00e4dern. Kurorte hielten nicht nur f\u00fcr wohlhabende G\u00e4ste Angebote bereit, sondern auch arme, kranke und behinderte Menschen konnten vor Ort in zum Teil von Stiftungen finanzierten Hospit\u00e4lern, die \u00fcber Badeanlagen verf\u00fcgten, unterkommen. Erst durch die im 20. Jahrhundert einsetzenden Entwicklungen hin zum modernen Gesundheitswesen wurden die Armenb\u00e4der zunehmend obsolet. ELISABETH LOBENWEIN (Innsbruck) und ALFRED STEFAN WEISS (Salzburg) stellten die Thermalquellen Gasteins in den Mittelpunkt ihrer Ausf\u00fchrungen. Anhand einer vergleichenden Analyse von aufkl\u00e4rerischer Reiseliteratur mit Reiseberichten des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts konnte festgehalten werden, dass \u00e4hnliche Topoi, zum Beispiel jene \u00fcber die schlechten Unterk\u00fcnfte in Bad Gastein, sich bis in die 1830er-Jahre fortsetzten. Erst mit Errichtung der Filialbadeanstalt Hofgastein (1828) und sp\u00e4ter durch die Beschleunigung der Reisewege (Bau der Tauernbahn) setzten die Entwicklungen vom Wildbad hin zum Weltbad ein. Im Vortrag \u201eB\u00fcrger, Bauer, Edelmann. Sozialgeschichtliche Aspekte zum Salzburger B\u00e4derwesen im langen 19. Jahrhundert\u201c widmete sich auch EWALD HIEBL (Salzburg) den Badeorten Badgastein und Bad Hofgastein, deren geschichtliche Entwicklung bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bereits von Lobenwein und Wei\u00df angesprochen worden war. Der Adel und das B\u00fcrgertum pr\u00e4gten die soziale Szenerie in Gastein, wobei der Vortragende besonders am Beispiel des Gastein-F\u00f6rderers Erzherzog Johann zeigen konnte, dass die Standesgrenzen und sozialen Hierarchien gerade an diesen Badeorten durchbrochen wurden. Erzherzog Johann hatte n\u00e4mlich die Sitte gelobt, dass neuankommende G\u00e4ste immer den untersten Platz am Tisch einnehmen mussten und niemand, von seinem Stand abh\u00e4ngige, spezifische Pl\u00e4tze zugewiesen bekam. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zur Ausdifferenzierung des Salzburger Badewesens, da sich im ganzen Land kleinere B\u00e4der entwickelten und somit das Heilmittel \u201eBad\u201c fast allen Klassen und Schichten zur Verf\u00fcgung stand. KATHARINA KARIN M\u00dcHLBACHER (Salzburg) berichtete in ihrem Vortrag von dem in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts aufkommenden bedeutenden Badetourismus im Salzburger Torfmoor in Leopoldskron. Laut eines im August 1840 erstellten Gutachten seien die Schlammb\u00e4der im Moos besonders empfehlenswert zur Behandlung von Geisteskrankheiten, rheumatischen Beschwerden und Schlagfl\u00fcssen gewesen. M\u00fchlbacher thematisierte auch den Alltag im Badebetrieb, die Ausstattung der Anlagen sowie die Anwendungen und Kosten.<\/p>\n<p>Die zweite Sektion stand unter dem Titel \u201eWasser, Licht, Luft und Lehm als (All-)Heilmittel? Oder: Die Attraktivit\u00e4t von B\u00e4dern und Kuren\u201c. ANDREAS GOLOB (Graz) stellte in seinem Vortrag die an der Universit\u00e4t Graz eingereichten Habilitationen f\u00fcr die F\u00e4cher Balneologie (1870) bzw. Balneotherapie (1876) von Conrad Clar und Julius Glax in den Mittelpunkt seiner Ausf\u00fchrungen und konnte somit Einblicke in den Umfang und die Inhalte des Faches Balneologie sowie interdisziplin\u00e4re Ankn\u00fcpfungen an bereits etablierte Zweige der Naturwissenschaften gew\u00e4hren. Der Frage wurde nachgegangen, ob und in welcher Form die Wasser(heil)kunde schon vor der Etablierung als Habilitationsfach akademisch pr\u00e4sent war, wobei die medizinischen Fakult\u00e4ten der St\u00e4dte Prag und Wien als vergleichende Beispiele herangezogen wurden. VLADAN HANUL\u00cdK (Pardubice) befasste sich mit den Praktiken der Kaltwasserheilmethode der Wasserheilanstalt des Vincenz Prie\u00dfnitz im Kurort Gr\u00e4fenberg. Als Quellenbasis wurden ca. 3.100 Patientenbriefe, die an den Hydrotherapeuten Prie\u00dfnitz gerichtet waren, herangezogen, sowie andere mehr oder weniger diskursformative Texte. Im Mittelpunkt der Analyse standen folgende Fragen: In welcher Weise haben sich die Autoren von Selbstzeugnissen, literarischen und wissenschaftlichen Texten stilisiert und waren die Kurg\u00e4ste in Gr\u00e4fenberg durch den diskursformativen Korpus der heroischen Stilisierung mehr beeinflusst als durch die authentische <i>embodied<\/i> (Merleau-Ponty) Erfahrung? Im Vortrag \u201eDer Jungborn \u2013 mit Wasser, Licht, Luft und Lehm in die neue Zeit\u201c berichtete EKKEHARD W. HARING (Wien\/Nitra) von der einzigartigen Kombination aus Naturheiltherapie, Gemeinschaftserlebnis und archaischer Lebensweise, die dem Naturheilsanatorium Jungborn im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts einen internationalen Ruf verschaffte. Haring konnte einige Einblicke in den Alltag der au\u00dfergew\u00f6hnlichen, von Adolf und Rudolf Just gef\u00fchrten Kuranstalt geben, denn f\u00fcr die G\u00e4ste der Institution bedeutete der Aufenthalt in Jungborn nicht nur eine Kur im heilpraktischen Sinne, sondern auch eine Auseinandersetzung mit alternativen Lebens- bzw. Gesellschaftsentw\u00fcrfen. IRIS RITZMANNs (Z\u00fcrich) Beitrag \u201eLogiken der Lungenkur\u201c konzentrierte sich auf die im ausgehenden 19. Jahrhundert in der Schweiz entstandenen Heilanstalten f\u00fcr Tuberkul\u00f6se. Obwohl die Ineffizienz der entbehrungsreichen Kuren bald nachgewiesen wurde, erfreuten sich diese Sanatorien, die durch strenge Gesetze und eine ausgesprochene Machtposition des Medizinpersonals gepr\u00e4gten waren und auch als Disziplinierungsst\u00e4tten im Sinne geschlossener Anstalten verstanden werden k\u00f6nnen, doch sehr lange gro\u00dfer Beliebtheit. Der Frage, warum sich der Mythos der H\u00f6henkur so lange halten konnte, wurde nachgegangen, wobei die Rolle der \u00c4rzte und F\u00fcrsorgeorganisationen, die durch Propaganda und moralischen Druck die Nachfrage an Lungenkuren in den Bergen forcierten, zur Debatte gestellt und anhand diverser Videobeispiele erl\u00e4utert wurde. EBERHARD WOLFF (Z\u00fcrich) ging in seinem Vortrag den Gr\u00fcnden nach, warum die Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert zu einem ausgesprochen beliebten Ziel f\u00fcr verschiedene Kuren geworden war. Wolff pr\u00e4sentierte die These, dass nicht die Naturlandschaft an sich, sondern das von der Schweiz aufgebaute Image als typische Gesundheitslandschaft ausschlaggebend f\u00fcr diese Entwicklungen war. Die vier Dimensionen von Reinheit in hygienischer, nat\u00fcrlicher, moralischer und politischer Hinsicht insbesondere in der Kombination mit Wasser wurden anhand von ausgew\u00e4hlten Werbeplakaten, Karikaturen und Ausschnitten aus Fernsehserien veranschaulicht.<\/p>\n<p>Die zwei \u00f6ffentlichen Abendvortr\u00e4ge des ersten Veranstaltungstages stie\u00dfen bei der in Bad Radkersburg und Umgebung ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung auf gro\u00dfes Interesse. ELKE HAMMER-LUZA (Graz) pr\u00e4sentierte verschiedene steirische Kurorte der Biedermeierzeit (Sauerbrunnen: Rohitsch-Sauerbrunn, Gleichenberg; Warmb\u00e4der: Bad Neuhaus, R\u00f6merbad T\u00fcffer, Tobelbad; Wildbad: Ein\u00f6d in D\u00fcrnstein; Schwefelbad: W\u00f6rschach im Ennstal; Kaltwasseranstalt: Radegund bei Graz), die in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zwar in der Steiermark Spuren hinterlie\u00dfen, im Gegensatz zu anderen, bekannteren Badeorten der Habsburger Monarchie, aber keine l\u00e4ngerfristige herausragende Stellung einnehmen konnten. Ab den 1840er-Jahren kann immerhin eine Verbesserung der ausgesprochen primitiven Verh\u00e4ltnisse der Badeanstalten ausgemacht werden, allerdings blieb das Publikum der steirischen Kurb\u00e4der auf den niederen Adel und das gehobene B\u00fcrgertum beschr\u00e4nkt. KLAUS BERGDOLT (K\u00f6ln) stellte in seinem Vortrag \u00dcberlegungen zum Begriff \u201eGesundheit\u201c unter historischen, philosophischen und \u00f6konomischen Aspekten an und zitierte dabei aus antiken bis hin zu neuzeitlichen Quellen. Von besonderem Interesse waren dabei die Anmerkungen zu den gegenw\u00e4rtigen Entwicklungen rund um das Thema \u201eGesundheit und Krankheit\u201c, wobei Bergdolt zu dem Schluss kam, dass die westliche Gesellschaft von der Vorstellung eines Anspruchs auf Freisein von Krankheiten Abschied nehmen m\u00fcsse und der \u201egesunde Umgang\u201c mit Krankheiten f\u00fcr die Zukunft an Bedeutung gewinnen werde.<\/p>\n<p>Die dritte Sektion \u201eHeilb\u00e4der \u2013 (politische) Visionen und Forschungen im 20. Jahrhundert\u201c wurde von ARIN NAMAL (Istanbul) mit einem Beitrag \u00fcber die Aus- und R\u00fcckwirkungen des Aufenthalts Mustafa Kemal Atat\u00fcrks in Karlsbad auf das t\u00fcrkische B\u00e4derwesen er\u00f6ffnet. Atat\u00fcrk hatte sich 1918 einen Monat lang in Karlsbad in der Hoffnung auf Heilung seines Nierenleidens behandeln lassen und dabei seine Eindr\u00fccke in tagebuchartiger Form in sechs Heften (158 Seiten) handschriftlich festgehalten. Atat\u00fcrk scheint von Karlsbad so tief beeindruckt gewesen zu sein, dass er sich dazu veranlasst sah, Thermal- und Heilb\u00e4der in der T\u00fcrkei auch von staatlicher Seite zu unterst\u00fctzen. So befasste sich in den gesetzlichen Gesundheitsregelungen der Republik ein eigenes Kapitel mit den Thermalb\u00e4dern und Mineralwassern in der T\u00fcrkei. M\u00c1RTA JUSZTIN (Budapest) beleuchtete die besondere Rolle der Balneologie und der Heilquellennutzung in der Zwischenkriegszeit in Budapest, wobei sie besonders auf die Konzepte, Interessen und Pl\u00e4ne von verschiedenen Institutionen, \u00c4mtern, Berufsorganisationen und der Tourismusbranche hinwies. In Budapest w\u00e4ren zwar alle Ressourcen zur Ausbildung einer international bekannten B\u00e4derstadt vorhanden gewesen, allerdings konnte der Traum \u201eB\u00e4derstadt Budapest\u201c nicht realisiert werden, da sich Budapest bereits zu einer Industriestadt entwickelt hatte, die weder den Interessen und W\u00fcnschen der Kurg\u00e4ste nach Ruhe, guter Luft, sch\u00f6ner Aussicht und luxuri\u00f6sen Hotels entsprechen konnte. Schlie\u00dflich lie\u00df der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges den Traum von der \u201eB\u00e4derstadt Budapest\u201c endg\u00fcltig platzen. ALEXANDER FRIEDMAN (Heidelberg) widmete sich in seinen Ausf\u00fchrungen der ereignisreichen Geschichte der in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Ostseeb\u00e4dern Cranz (sp\u00e4ter Zelenogradsk) und Rauschen (sp\u00e4ter Svetlogorsk). Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte sich das Kur- und Kulturangebot der B\u00e4der stark erweitert, so dass besonders adelige und b\u00fcrgerliche Kurg\u00e4ste aus Ostpreu\u00dfen aber auch aus dem Ausland an die Ostseeb\u00e4der kamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine rasche Sowjetisierung der Anlagen, wobei allerdings nicht \u2013 wie propagiert \u2013 die \u201esowjetischen Werkt\u00e4tigen\u201c, sondern die Partei- und Milit\u00e4rnomenklatur in den Genuss der Sanatorien und Ferienheime kamen. Ab 1991 setzte sich vor allem die deutsche Presse mit den Ostseeb\u00e4dern und den \u201eHeimwehtouristen\u201c aus Deutschland auseinander bzw. zeigte auch die lokale Bev\u00f6lkerung vermehrt Interesse an dem ostpreu\u00dfischen Erbe der Region.<\/p>\n<p>Sektion Nr. 4 stand unter dem Titel \u201eWasser als therapeutisches Mittel in der Psychiatrie und im land\u00e4rztlichen Alltag\u201c. MARIA HEIDEGGER (Innsbruck) stellte in ihrem Vortrag die psychiatrischen Krankenakten Erster Klasse Patientinnen und Patienten der Zeit von 1830 bis 1850 der \u201ek. k. Provinzial-Irrenanstalt\u201c in Hall in Tirol in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Der Frage wurde nachgegangen, wie eine Kur sowohl in der \u201eIrrenanstalt\u201c, als auch in anderen konkurrierenden Kurorten, wie zum Beispiel dem Heinrichsbad in der Schweiz, ausgesehen hat. Heidegger versuchte, die \u201eIrrenanstalt\u201c nicht isoliert, sondern in einem gemeinsamen lokalen medikalen Raum zu betrachten bzw. zu verorten. Anhand von Anstaltsbeschreibungen und Zeitungsartikeln konnte nachgezeichnet werden, dass sich die \u201eIrrenanstalt\u201c im Untersuchungszeitraum zu etablieren versuchte und die Heilmethoden und Unterbringung in der Anstalt in die N\u00e4he von Kureinrichtungen ger\u00fcckt wurden. Der Titel des von ELISABETH DIETRICH-DAUM (Innsbruck) pr\u00e4sentierten Vortrages lautete: \u201eHeilendes Wasser in der Psychiatrie: Soleb\u00e4der, Duschen und Dauerb\u00e4der als therapeutische Mittel in der k. k. Provinzial-Irrenanstalt Hall i. Tirol\u201c. Krankenakten des Historischen Archivs des LKH Hall wurden herangezogen, um ein besseres Bild \u00fcber die therapeutischen Anwendungen der Wassertherapien, zum Beispiel H\u00e4ufigkeit der Anwendung, Modus der Durchf\u00fchrung etc., zu gewinnen. Dabei wurde sowohl auf den therapeutischen als auch den disziplinierenden Charakter der Therapien hingewiesen. Anhand der als Beispiel herangezogenen, umfangreichen Patientenakte des 1913 geborenen und als 9-j\u00e4hriges Kind in die Anstalt eingewiesenen Georgs konnte Dietrich-Daum in detaillierter, und f\u00fcr die Zuh\u00f6rer\/innen beklemmender Weise, eine \u00fcber Jahre dauernde Therapie, bestehend aus einem Wechselspiel an B\u00e4dern und Wickel, nachzeichnen.<\/p>\n<p>Die Tagung wurde mit dem Vortrag von SABINE VEITS-FALK (Salzburg) \u201eVom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel: Kontinuit\u00e4ten und Br\u00fcche\u201c abgeschlossen. Die Referentin gab zun\u00e4chst eine kurze Zusammenfassung aller Vortr\u00e4ge wieder und formulierte die Kernfragen der Pr\u00e4sentationen in folgenden Schlagworten: Zielpublikum von Heilanstalten, Ausstattungen der B\u00e4der, Gegenspiel medizinischer Aspekt versus gesellschaftliches Angebot, Ausbau der Infrastruktur, Personal, Wissenschaftler und Balneologie, Erfahrungen der Patientinnen und Patienten, Wettbewerb, der Versuch der Vernetzung der Kuranstalten etc. Veits-Falk zeigte auch Desiderata auf, die in den Vortr\u00e4gen nur marginal oder gar nicht angesprochen worden waren, zum Beispiel geschlechtsspezifische Angebote von Kurb\u00e4dern, B\u00e4der f\u00fcr spezifisches Klientel wie Soldaten, K\u00fcnstler, Intellektuelle. Auch die spezifischen Mechanismen von Inklusion und Exklusion am Kurort w\u00e4ren ein weiteres Thema, das einer n\u00e4heren Untersuchung bed\u00fcrfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Vielfalt der vorgestellten Themen, die Pr\u00e4sentation neuer Forschungsergebnisse, die sehr anregenden Diskussionen, aber auch die rege Teilnahme von nationalen wie internationalen Wissenschaftler\/innen zeigt deutlich, dass sich die Jahrestagungen des Vereins f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin immer mehr zu einem Fixpunkt unter den Medizinhistorikern\/innen entwickelt haben. Die n\u00e4chstj\u00e4hrige Tagung in Salzburg unter dem Titel \u201eAlternative und komplement\u00e4re Heilmethoden vom Mittelalter bis zur Gegenwart\u201c (8.\u201311. Mai 2013) scheint in \u00e4hnlicher Weise vielversprechend zu werden.<\/p>\n<div class=\"hfn-item-creator\">\n<div id=\"hfn-item-citation\">\n<p>Zitation<\/p>\n<div>Tagungsbericht: \u201eVom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel\u201c. Jahrestagung \u201eGeschichte(n) von Gesundheit und Krankheit\u201c des Vereins f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin in \u00d6sterreich, 27.04.2012 \u2013 28.04.2012 Bad Radkersburg, in: H-Soz-Kult, 27.08.2012, <a href=\"http:\/\/www.hsozkult.de\/conferencereport\/id\/tagungsberichte-4351\" target=\"_blank\">&lt;http:\/\/www.hsozkult.de\/conferencereport\/id\/tagungsberichte-4351&gt;<\/a>.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"hfn-item-creator\"><\/div>\n<a name=anfang href=#top>zum Anfang<\/a>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CfP Vom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel Jahrestagung 2012 des Vereins f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin \u2013 Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit Veranstalter: Verein f\u00fcr Sozialgeschichte der Medizin Datum\/Ort:\u00a026.-28. 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